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Das Wallbrunn'sche Palais in der Oberhofstraße


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
nach dem Text der Stationstafel und dem Text des Historischen Rundganges der Stadt Ingelheim mit Ergänzungen


"Oberhofstraße" hießt diese Straße erst seit der Eingemeindung nach Ingelheim im Jahre 1972, davor "Wasemgass" oder "Untergasse" (?) und "Schwabenheimer Straße".

Namengebend ist die Erinnerung an das Ingelheimer Reichsgericht, das wöchentlich auch in Großwinternheim tagte, wahrscheinlich unter einer Linde links neben der katholischen St. Johannes Evangelist.

Der geöffnete Innenhof des Wallbrunn-Palais während eines Flohmarktes am 4.9.2011


Die 1788 in wesentlichen Teilen barock konzipierte Anlage (Oberhofstraße Nr. 4) des Partenheimer Zweigs derer von Wallbrunn gilt als äußerst anschauliches Beispiel für Wohlstand und Bedeutung der in Großwinternheim ansässigen Adelssippen. Das breitgelagerte, zweigeschossige Haupthaus mit seinem steilen Mansardendach beherrscht einen weitläufigen, an drei Seiten von Gebäuden gefassten Hof. Die symmetrisch gegliederte Fassade wird durch einen erhöhten Mittelrisalit mit dem Hauptportal gegliedert.

Die Hanglage der Rückfront dagegen lässt nur noch Eingeschossigkeit zu, führt aber bis an den Bereich der Obergasse in ein ungewöhnlich großzügiges Parkgrundstück. Im Treppenhaus blieben Zeugnisse wertvoller Innenausstattung erhalten.

Krienke, S. 354, weist darauf hin, dass der anspruchsvolle Bau ... als einziger im Kreis Mainz-Bingen den Charakter eines Lustschlösschens des Rokoko (zeigt) und ... darüber hinaus als ehem. Besitz einer in Rheinhessen, der Pfalz und Südhessen einflussreichen Adelsfamilie von regionalgeschichtlicher Bedeutung (ist).


Die Adelsfamilie von Wallbrunn stammte eigentlich aus Ernsthofen im Modautal (Odenwald), der Seitenzweig, dem auch dieses Palais gehörte, besaß auch ein Schloss in Partenheim. Auf eine Anna Catharina von Wallbrunn, 1652 als eine verheiratete von Sponheim verstorben, weist ein doppelt verwendetes Epitaph in der Burgkirche hin.

Neben der vermauerten Toreinfahrt des linken Scheunentraktes findet sich ein sog. Allianzstein in Form einer Triumphpforte mit zwei Ehewappen und der Datierung 1593.

Er soll aus dem ehemaligen Hofgut der Herren von Haxthausen stammen.

Haxthausen Ehewappen im Wallbrunn-Paais

Ein unvergessenes Verdienst erwarb sich 1796 während der französischen Zeit Freifrau Christiane Eleonore von Wallbrunn um den Ort. Durch ihren persönlichen Bittgang in das französische Lager zu General Dessaire verhinderte sie das Niederbrennen des Dorfes - ein schlimmes Schicksal, das Schwabenheim nicht erspart blieb. 

Der Name einer Querstraße, der ehemaligen "Klappergasse", später "Schulstraße", erinnert an sie.

Als der Reichsfreiherr Franz Carl August Wolfgang, der als letzter seiner Familie in Partenheim residierte, 1785 starb, übernahm seine erst 35jährige Witwe, die Frau von Wallbrunn, seine zahlreichen Verwaltungsaufgaben in Partenheim. Unter ihrer Leitung muss 1788, also wenige Jahre vor der französischen Revolution, auch der Hof in Groß-Winternheim erbaut worden sein, vielleicht für eines ihrer beiden Kinder, Caroline Friederike oder Friedrich, die beide kinderlos verstarben. Sie selbst starb am 7.12.1832 in Partenheim und wurde vor dem Westportal der dortigen Kirche bestattet.


 

 

 

 

 

 

 

Das sich südlich daran anschließende ca. 450 Jahre alte Gebäude der Familie Hußmann (Oberhofstraße 6), früher wahrscheinlich das Verwaltergebäude der Wallbrunns, wurde 2007 umfangreich saniert, umgebaut und modernisiert.

 

 

 

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Gs, erstmals: 25.02.06; Stand: 06.03.17