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Erthaler Straße, Bockstein und Flutgraben


Autor und Fotos: Hartmut Geißler


Am oberen Ende stößt die Erthaler Straße auf den Flutgraben, der das Wasser, das vom Mainzer Berg kommt, nördlich um den Ort herum führen soll. Er soll nach Krienke, S. 343, durch eine verheerende Flutkatastrophe des Jahres 1730 in der heutigen Form aus dem Dorfbach entstanden sein.

Er war im Mittelalter zugleich ein Teil des Mauer- und Grabensystems und ist in diesem nördlichen Bereich besonders gut zu erkennen. Hier führte die "Steig" durch die "Talpforte" aus dem Ort hinaus in Richtung Mainz.


Wie das Zusatzschild zum Straßenschild erklärt, besaßen die von Erthal in Großwinternheim ein Landgut, sie waren "begütert". Untererthal, der Stammsitz der Familie, ist heute ein Ortsteil der Stadt Hammelburg im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen.

Bedeutendere Spuren als in Großwinternheim hat die Familie freilich in Mainz hinterlassen: 

- Friedrich Karl Joseph Reichsfreiherr von Erthal war der letzte Erzbischof und Kurfürst von Mainz, bevor das linke Rheinufer an Franreich fiel

- Bauherr und vermutlich auch Architekt des "Freiadeligen Ehrtalischen neuen Hofs" ("Erthaler Hof" in Mainz) war der Reichsfreiherr Philipp Christoph von Erthal (1689-1784).

Offenbar schätzte auch diese im Mainzer Kurfürstentum bedeutende Familie den guten Wein aus Großwinternheim, so dass sie dort Grundstücke erwarb.

Schon Widder rühmte 1787 die Großwinternheimer Weinlage "Bockstein":
(Dem) Domkapitel zu Speier (!) gehöret der sogenannte Bockstein von ungefähr 6 Morgen Landes, welcher darum merkwürdig ist, weil der darauf wachsende Wein dem besten Rheingauer gleich gehalten wird.“ ("merkwürdig" im Sinne von bemerkenswert)

Die alte Weinlage "Bockstein" lag nordnordöstlich vom alten Ort den Hang hinauf, links (nordwestlich) vom Flutgraben (blau) und schaut voll nach Süden in die Sonne.



Flutgraben und Mauerreste:

 

Der mit Gebüsch bewachsene Flutgraben, früher auch "Effengraben", weil er als "Gebück" undurchdringlich dicht mit "Effen" (= Ulmen) bewachsen war


Diesen letzten noch aufrecht stehenden Wehrmauerrest aus dem 15. Jahrhundert, der die ganze Wehrhaftigkeit des adligen Ortes im Spätmittelalter erahnen lässt, findet man, wenn man die Erthaler Straße aufwärts bis zum Ortsende geht, dann links mit einer Brücke den Flutgraben überquert, wieder nach links biegt, rechts des Grabens etwas hinabläuft und in den ersten möglichen Garten (Privatgrundstück!) links einbiegt.


Gs, erstmals: 25.02.06; Stand: 06.03.17