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Das alte Rathaus in Ober-Ingelheim am Markt und die mehrfache Änderung der Verkehrsführung im 19. und 20. Jahrhundert


Autor und Fotos: Hartmut Geißler


1827/28 baute der Architekt Friedrich Schneider ein neues Rathaus für Ober-Ingelheim, das nach der Zusammenlegung der Ingelheimer Gemeinden zur "Stadt Ingelheim" 1939 seine Funktion verlor. Heute dient es als Kindergemeinschaftshaus (rechtes Gebäude).

Jährlich wird hier Ende September zu Beginn des Rotweinfestes die neue Rotweinkönigin mit ihren Prinzessinnen dem jubelnden Volke vorgestellt. Der Rathausplatz wurde 2007/2009 von Grund auf umgestaltet.


Text der Informationstafel 5 "Altes Rathaus Ober-Ingelheim":

"1828 auf der Stelle eines Vorläufergebäudes von 1608 (s. Datierung Kellerportal) in klassizistischem Stil errichtet. Ein in gut proportionierter Symmetriearchitektur geschaffener Bau mit vorspringendem giebelgekrönten Mittelteil und Uhrturm als Dachreiter. Die Nutzung als Rat-, anfänglich auch als Gerichtshaus für Ober-Ingelheim dauerte bis zum städtischen Zusammenschluss der drei alten Ingelheimer Dorfgemeinden 1939. Der heute noch baulich eng umstandene Marktplatz mit einem 1529 in Stein gefassten Born, dem kurpfälzischen „Löwchen“ - Brunnen, bildete, ganz im Gegensatz zum befestigten Burgkirchenareal, das eigentliche, zivile Ortszentrum.

Ortsplan Ober-Ingelheim um 1800; Rathausplatz rot umkringelt

Die historischen Straßen der Karte von 1800 prägen nach wie vor die wesentliche Siedlungsstruktur. Sie verlaufen strahlenförmig von hier aus in fünf Richtungen und schließen am Ende jeweils mit einer beeindruckenden Toranlage ab."

Auf der Karte aus Rauch, 1934, ist das Wegenetz und die Bebauung von Ober-Ingelheim um 1800 eingezeichnet und der Rathausplatz rot umkringelt. Zur Vergrößerung anklicken!

Dies änderte sich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts zweimal:

1. Als ca. 1830 die Straße durch den Ingelheimer Grund gebaut wurde, über die man von Großwinternheim aus Ober-Ingelheim nicht mehr auf der nahe der Selz gelegenen alten Straße erreichte, an Eulenmühle und Layenmühle vorbei durch das Stiegelgässer Tor, sondern durch die nun durch die Wehrmauer gebrochene neue "Ingelheimer Grund-Straße" über den schmalen Neuweg. Vom Marktplatz aus fuhr bzw. lief man dann weiter entweder durch die Rinderbachstraße nach Nieder-Ingelheim auf die Remigiuskirche zu oder durch die Hammergasse und das Hammergässer Tor in Richtung Frei-Weinheim, Sporkenheim oder Gau-Algesheim.

2. Und als der neue Ingelheimer Bahnhof fertig geworden war und die gerade auf ihn zu führende Bahnhofstraße (1876) ebenfalls, verlagerte sich der durch die Industrialisierung anschwellende Verkehr auf die neuen Bahnhofstraße. Auch für sie wurde ein Stück der Wehrmauer abgetragen; wo sie war, sieht man nur noch am Wehrturm neben der kaiserlichen Post an der Bahnhofstraße (rechts). Auf dem Ortsplan von ca. 1840 (links) ist zur Orientierung der Verlauf der zukünftigen Bahnhofstraße gestrichelt schon eingezeichnet (nach oben = Norden). (Vergrößerung der Bilder durch Anklicken)

 

Der weiter anschwellende Autoverkehr in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte dann eine erneute Verlegung des Ober-Ingelheimer Durchgangsverkehrs nötig, nämlich auf die "L 428 neu" auf der anderen Seite der Selz, die nach langen Auseinandersetzungen und Planungen im Jahre 2005 endlich dem Verkehr übergeben werden konnte.

 

Gs, erstmals: 05.09.11; Stand: 18.02.17