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Das alte Krankenhaus in Nieder-Ingelheim ("Ludwigstift")


Autor: Hartmut Geißler

Ehemaliger Standort: Ecke Heidesheimer Straße / Stiftstraße

 

Das Ludwigstift vor dem Ersten Weltkrieg (Bild aus dem Archiv des Hist. Vereins)


Das dreistöckige Gebäude, von Natalie von Harder gegründet, diente von 1857 bis 1909 als Altersheim und "Kinderbewahranstalt" (also Kinderhort bzw. Kindergarten), wurde umgebaut und seit 1911 noch einmal 30 Jahre als Krankenhaus benutzt, in den Kriegen 1870/71 und 1914/18 auch als Lazarett.

Es hatte ein Operationszimmer, einen Röntgen-Apparat sowie Gas- und Elektrolicht.

Finanziert wurde es von der Gemeinde und durch großzügige Spenden u.a. von Erlangers. Die Pflegesätze betrugen damals pro Tag für Mitglieder der Ortskrankenkasse 2 Mark einschl. ärztlicher Behandlung und etwaiger Operation, für Patienten dritter Klasse ebenfalls 2 Mark, für Patienten zweiter Klasse 3,50 Mark, und für die erster Klasse (mit Extrazimmer) 5,50 Mark. Kinder bis zum achten Lebensjahr kosteten in der dritten Klasse 1,20 Mark.

Nach dem Bau des neuen Krankenhauses in der Turnerstraße (Fertigstellung April 1939) wurde es zeitweise von städtischen Ämtern benutzt ("Ernährungsamt"), auch von der Hitler-Jugend, 1945 von Bürgermeister Dr. Rückert in ein Wohnhaus umgewandelt und schließlich 1999 abgerissen.

"Ludwigstift" hieß es nach dem damals in Darmstadt regierenden dritten Großherzog Ludwig. Nach diesem Stiftungskrankenhaus wurden die "Obere ..." und die "Untere Stiftstraße" benannt.

 

Gs, erstmals: 23.02.07; Stand: 18.02.17