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17. St. Michael in Ober-Ingelheim und das frühere hessisches Amtsgericht im Neuweg


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
mithilfe der Texttafel zur Station 17

sowie nach Andreas Saalwächter, Baugeschichte 1919, S. 162 ff. und
Wilhelm A. Schönherr und Peter Schicke: Kirchengeschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

links: St. Michael aus dem 18. Jh. und noch vor dem Umbau des 20. Jh., nach einer Zeichnung von W. A. Schönherr

darunter: St. Michael nach einem Neuanstrich im Jahre 2007, vom Malakoff-Turm aus.

 

Die Kirche wurde wegen des starken Anwachsens der katholischen Gemeinde bei einem Umbau 1963/64 verlängert und erhielt einen damals modernen Glockenturm, entworfen von Caumanns und Grasnitz, Mainz. Er besteht überwiegend aus Mauerwerk, nur der Teil des Glockenstuhles ist aus Beton. Dieser Teil erwies sich im Jahre 2014 als so stark verwittert, dass er aufwändig saniert werden muss.
Gut zu erkennen ist die Verlängerung des Kirchenschiffs links vom Dachreiter.

 

Grundsteinlegung: 1. Mai 1721, große Finanzierungsschwierigkeiten, auch wenn der Herr von Geismar den Bau förderte; für einen Glockenturm reichte das Geld nicht aus, so dass das ehemalige Glöckchen vom Justus-Spital an der Rinderbachstraße, das damals im alten Rathaus am Platz der Kirchgasse hing, zu den Messen rufen musste, die für die Katholiken vor im Rathaus stattfand, bis sie die neue Kirche benutzen konnten. Auch als Gebäude selbst vollendet war, blieb es noch lange unverputzt, und die Innenausstattung konnte erst nach und nach beschafft werden.

Der Hochaltar, gestiftet von Marsilius von Nagel, gefertigt von einem Mainzer Schreinermeister, konnte erst 1747 aufgestellt werden. Die Seitenaltäre zeigen links die Mutter Gottes und rechts den Kirchenpatron, den hl. Michael. Für diesen Michaelsaltar stifteten die Grafen von Ingelheim eine Michaelsstatue mit einem Wappenschild in der Hand, das das Wappen deren von Ingelheim zeigte. Die Figur ging verloren. Weitere Spender: Gottfried von Langwerth, Weihbischof zu Regensburg, Anna Elisabeth Charlotte geb. v. Mosbach zu Lindenfels, Oberschultheiß Biebesheimer. Eine Orgel wurde 1758 eingebaut. Am 8. Oktober 1767 wurde die Kirche schließlich geweiht, 46 Jahre nach der Grundsteinlegung.

Innen befindet sich auch eine Nachbildung eines Crucifixus dolorosus, eines "Pestkreuzes" aus dem 14. Jh. (Original im Mainzer Dommuseum, Herkunft unklar).

Der "Titel" der Kirche war ursprünglich "Zur heiligen Dreifaltigkeit", ihr "Patron" wurde - wie in Frei-Weinheim - "St. Michael".


 

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche St. Michael steht das frühere hessische Amtsgericht, eingeweiht 1909. Es enthielt außer verschiedenen Büros einen Gerichtssaal, das Grundbuchamt, das Registergericht sowie einige Wohnungen für Richter und Lehrer.

Es wurde damals wegen aller neuzeitlichen technischen Einrichtungen bewundert, mit denen es ausgestattet war: Zentralheizung, Wasserleitung, elektrisches Licht und Telefonanlage.

Im Jahre 1980 wurde das Gericht im Zuge einer Justizreform aufgelöst und beherbergt jetzt eine Firmenverwaltung. Seit dieser Zeit hat Ingelheim zum ersten Mal seit dem Mittelalter kein Gericht mehr.

Unten: sein prächtiges klassizistisches Portal

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Gs, erstmals: 15.03.06; Stand: 05.03.17