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Natalie von Harder

* 1805 St. Petersburg … † 1882 Frankfurt am Main

Autorin: Margarete Köhler (2000)
überarbeitet von Hartmut Geißler (ab 2009)

Natalie von Harder wurde am 17. Oktober 1805 geboren (Datum des Beerdigungsbuches Frankfurt/Main), in St. Petersburg als einzige Tochter des vermögenden deutsch-jüdischen Kaufmanns und Bankiers Ludwig Stieglitz. Dieser wurde später vom Zaren geadelt, ihr Bruder, Alexander Baron Stieglitz (1814 - 1884), wurde Chef der russischen Staatsbank.

1824 heiratete sie nach dem Willen ihres Vaters den königlich niederländischen Arzt und Generalkonsul in St. Petersburg, David Johann von Harder (1797-1871). 

Die Tatsache, dass dieser das gleiche Amt später in Frankfurt am Main inne hatte, mag einer der Gründe dafür sein, weshalb die von Harders sich nach einigen Petersburger Jahren vorwiegend im Mittelrheingebiet aufhielten.

Natalie, die offenbar den Geschäftssinn ihres Vaters geerbt hatte, verfügte selbständig über ein beträchtliches Vermögen. Man unterhielt Häuser in Frankfurt und Wiesbaden und führte an beiden Orten einen aufwendigen Haushalt.

Als sich die Gelegenheit bot, in Nieder-Ingelheim Haus und Grund zu erwerben, richtete man sich zusätzlich im Gebiet der ehemaligen Kaiserpfalz einen Sommer-Wohnsitz ein, der Zug um Zug vergrößert wurde.

Denn der baltische Edelmann Gustav Johann Freiherr von Mengden, vermutlich ein Bekannter der von Harders, war aus Geldnot 1855 gezwungen, seinen Ingelheimer Besitz zu veräußern. So konnten sie den ganzen nordwestlichen Teil des historischen Pfalzbezirks erwerben und zu einem noblen Landsitz mit Park ausgestalten, beides heute nicht mehr vorhanden. (Bild unten rechts)

Hardersches Haus ca. 1865 mit Blick auf Remigiuskirche

Natalie von Harder empfand, am Vorbild ihres verehrten Vaters orientiert, ihren Reichtum stets als Verpflichtung vor Gott, sich der Notleidenden tatkräftig anzunehmen. Die Bewältigung von Krankheit und Invalidität waren im damaligen Gesellschaftssystem noch nicht gesetzlich geregelt. So gab es für private Wohltätigkeits-Initiativen ein weites Betätigungsfeld.

Als 1858 die Gemeinde Nieder-Ingelheim ein dreistöckiges Wohnhaus im Heidesheimer Weg aus Mitteln des Hospitalfonds ankaufte, unterstützte Natalie von Harder das Vorhaben finanziell und organisatorisch so maßgeblich, dass man sie als Gründerin dieses Ludwigstifts (benannt nach Großherzog Ludwig III. von Hessen) bezeichnen kann.

Es umfasste eine Unterkunft für Alte und Pflegebedürftige sowie eine Kinderbewahranstalt. In zwei Kriegen diente es außerdem als Lazarett. 1999 wurde das Gebäude abgetragen, um einem Neubau Platz zu machen.

Nach dem Tode ihres Mannes verließ Frau von Harder Ingelheim und lebte in Frankfurt, wo sie 1882 verstarb. Weil die Familie ihres Schwagers Lewis von Harder ein Begräbnisrecht auf dem Friedhof der Nervenheilanstalt Illenau (in Aachern/Baden) erworben hatte, wurde Natalie von Harder dort ebenso wie ihr Mann David Johann beigesetzt. Ein Grabmal erinnert noch an sie. Auffällig ist die Angabe der Tage sowohl in hiesiger als auch in russischer Kalenderzählung. Dem Steinmetz oder seinem Auftraggeber ist dabei aber ein Irrtum im Geburtsjahr unterlaufen, denn sowohl nach dem Frankfurter Sterbebuch als nach dem Beerdigungsbuch des Hauptfriedhofs ist sie am 17.10.1805 geboren, nicht 1806.

Beide Fotografien verdanken wir Herrn Walther Stodtmeister.

Grabmal David von Harder

 

In Ingelheim erinnert eine Straßenbezeichnung daran, dass die einstige Wohltäterin mit ihrem Mann in diesem Bereich ein prachtvolles Anwesen besessen hat.

Literatur

 

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Gs, erstmals: 08.06.09; Stand: 27.02.17