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Die Familie Lopes de Villanova und ihre Grabmäler in der Burgkirche


Autor: Franz Weyell (†)
Aus: Ingelheimer Zeitung vom 13. und 18./19. April 1964 (= BIG 20, 1970, S. 52f.)
mit Ergänzungen von Hartmut Geißler, von dem auch die Fotos stammen

"Friedrich Justus Lopes de Villanova.

Manchem Ingelheimer begegnete der Name beim Lesen der Schriften des Ober-Ingelheimer Heimatforschers Philipp Krämer oder auch in dem Ortssippenbuch Bd. I Ober-Ingelheim (S. 210 f.). Ein Ehewappen, eingemauert in die Außenwand der „Alten Post“, Reste eines Grabsteines und vor allem der vorzüglich erhaltene marmorne Grabstein in der Burgkirche weisen auf den Namen Lopes hin.

Bislang war den Ingelheimer Geschichtsfreunden näheres über die Herkunft der Familie Lopes nicht bekannt. Mehr Licht über sie brachte ein im verflossenen Jahr geführter Briefwechsel mit Herrn Wolfgang Eduard Peres, Köln. Seine mühevollen Forschungen über die mit ihm verwandte Familie Lopes reichen in den Anfang des 16. Jahrhunderts. Holland und Belgien gehörten bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts als Ganzes (die Niederlande) noch zur spanischen Monarchie.

Um 1520 heiratete der aus Spanien gekommene, vielleicht in Regierungsdiensten stehende Martin Lopes in erster Ehe Quintine Splyters (Splinters). Der älteste und einzige Sohn aus dieser Ehe (er hatte noch vier Schwestern), Pedro mit Namen, wurde Sekretär der Regierung in Brüssel. Nach zehn Jahren starb Quintine. Aus der zweiten Ehe mit Barbara Berwouts (um 1530) entsprossen wieder acht Kinder, unter ihnen als zweites Martin. Er wanderte später nach Ingelheim aus. In der Reihe der Geburten folgte ihm Ursula Lopes de Villanova (1537 in Antwerpen). Sie heiratete dort 1555 Marc Perez. Aus dieser Ehe gingen 13 Kinder hervor. Martin ist sehr früh protestantisch geworden. Die Wogen der Reformation hatten auch die Niederlande erfaßt. Nach dem Frieden von Cateau-Cambresis 1559 war der Bürgerkrieg nicht mehr aufzuhalten. Je mehr Opfer die Ketzergerichte forderten, desto stärker nahm die Unzufriedenheit des Volkes zu. Das „compromis des nobles“ vom 16.2.1566 zu Breda, das zunächst von sechzehn Edelsten der Niederlande unterschrieben und in dem die Aufhebung der Inquisition von König Philipp II. gefordert wurde, unterzeichnete Martin Lopes als einer der ersten. Bis 1562 wurden allein in den Niederlanden bei 36.000 Männer und Frauen wegen ihres Glaubens hingerichtet. Infolge der Verfolgungen der Adligen, die sich „Geusen“ nannten, durch Herzog Alba, mußten diese flüchten oder sie wurden hingerichtet (Egmont, Hoorn).

Auch Martin Lopes floh von Antwerpen nach Köln, wo er das Haus Eichhorn in der Herzogstraße bewohnte. Wahrscheinlich in zweiter Ehe heiratete er am 16. Februar 1592 in Elberfeld die Sarah de Landes, aus Tournay, 18 Jahre alt (laut Kirchenbuch der niederl.- ref. Gemeinde Elberfeld).

Aus dieser Ehe gingen elf Kinder hervor, von denen acht in Köln getauft wurden (laut Kirchenbuch der niederl.- ref. Gemeinde Köln):

1) Martin, get[auft]. 20. Sept. 1593;
2) Johanna, get. 20. August 1595;
3) Martin, gel. 10 .0kt. 1596;
4) Peter, get. 10. Juni 1599;
5) Sara, get. 3. Aug. 1600;
6) Philipp, get. 9. Nov. 1605;
7) Elisabeth, get. 29. April 1608;
8) Anna, get. 30. Jan. 1612

Die Familie mußte wohl 1612 oder 1613 auch aus Köln weichen. Wohin sie sich zunächst wandte, ist noch in Dunkel gehüllt. Damit bleibt vorerst ungeklärt, wo die drei letzten Kinder Maria, Samuel und Ursula geboren sind, bevor sich Martin sen. in Ober-Ingelheim niederließ, wo er ungehindert seiner Überzeugung leben konnte.

Der 1596 geborene Martin heiratete im Jahre 1623 die Witwe Amalia Dorothea von der Marten, die am 22.1.1626 in Ober-Ingelheim einen Sohn, Friedrich Justus, zur Welt brachte. Junker und Zehntherr Friedrich Justus ehelichte Alberta von Günderoth. (Siehe Ortssippenbuch Bd. I, Ober-Ingelheim, von Dr. Kilian.) Aus dieser Verbindung erwuchsen sechs Kinder, bei deren Taufe mehrfach Geschwister des Vaters Martin des Friedrich Justus Pate standen.

Mit Ausnahme der Tochter Johanna Sophia und der Mutter (zwei Kinder waren schon früher gestorben) fielen alle Familienangehörigen im Jahre 1666 der Pest zum Opfer...“ (Soweit Zitat Weyell)

 

 

Rechts: Grabmal der mit achteinhalb Monaten 1628 verstorbenen Tochter Martins, Anna Amelia

Text der Schrifttafel unten in der Mitte:

ANNO 1628 DEN 28 FEB //
IST IN GOTT SELICH VER //
SCHITEN ANNA AMELIA //
LOPES VON VILLANOVA //
IHRES ALTERS ACHT HA(L)B //
MONAT DER WOLL EDLEN //
MARTIN LOPES VON VILL //
ANOVA UND AMELIA DORO //
THEA VON ABTENZEIL //
EHELICHE DOCHTER WEL //
CHER GOTT EIN FROE //
LICHE AUFERSTEUNG //
VERLEICHEN WOELLEN //
AMEN

 

Text der oberen Texttafel des Grabmales von Friedrich Justus Lopes von Villanova (1666):


Transskription:

DER HOCHWOHL EDEL GEBORNE GESTRENGE HERR
FRIDRICH IVSTVS LOPES, EINIG VND LETZTER STAM VND NAMENS ERBE VO(N)
VILLANOVA. GEBORE(N). 26. IAN: I626. STARB DEN 7. OCT. I666. ALT 40. IAR. 8 MON. II TAG,
IR. MARTIN FERDINAND LOPES DE VILLANOVA. GEBOREN DEN 30 DECEMB. I659.
GESTORBEN DEN 25 SEPTEMB. I666. ALT 6 IAAR. 8 MONAT. 5 TAG.
IFR. AMMELIA ELISABETHA LOPES DE VILLANOVA GEBOREN DE(N) 26 IVLII
I652. GESTORBEN DEN 20 SEPTEMB. I666. ALT I4 IAAR. I MONAT. 25 TAG.

DA TAUSEND, SECHZIG SECHS, SECHSHVNDERT WARD GEZEHLET.
NACH’S HERREN CHRIST GEBVRT, VND VNSER VATTERLAND
DVRCH KRIEGE VND PESTILENZ TRUG VNSER SÜNDEN SCHAND,
HAT GOTT AVCH DIESER NICHT, NOCH IHRES STAMS VERFEHLET,
VND, DAS ER HERLICH GRÜNT, AVCH EHLICH FRÜCHTEN GABE,
GAR NICHT GESEHEN AN, SONDERN SEIN AST VND STAM
DVRCHS TODES AXT GEFELT, INDEM ER SEINEN
NAM IN MARTIN FERDINAND SEIM SOHN SAH BEGRABEN,
DOCH ABER HAT IHN GOTT DIE NEVE STATT GEGEBEN [=VILLANOVA]
DIE IHN IHR STAM BENENDT, WEIL SIE IN CHRISTI STAM
DVRCH GLAVBEN REINES WORTS VERBLEIBT MIT SEEL VND NAM
SO IST IHR STAM VERSETST INS EWICH SELICH LEBEN.

DESSEN SICH TRÖSTEN DERO HOCHBETRÜBTE HINDERLASSENE
FRAW WITTIBE VND MVTTER, FRAW ALBERTA, GEBORNE VON GÜNTTE:
RODT, VND DERO HERTZBETRÜBTE TOCHTER VND SCHWESTER, IVNGFRAV
IULIANA SOPHIA LOPES VON VILLANOVA.


Die Textfläche darunter, die genauso groß ist, war wohl für eine weitere Beschriftung vorgesehen (die der Ehefrau?), die aber nicht mehr erfolgte. Sie ist frei geblieben.


Das Textfeld am unteren Ende des Grabmales:


Transskription:

ACH, WIE, NICHTIG ACH, WIE, FLVCHTIG, SIND, DER, MENSCHEN //
SACHEN, ALLES, ALLES, WAS, WIR, SEHEN, DAS, MVS, FALLEN, VND, //
VERGEHEN, WER, GOTT, FVRCHT, WIRD, EWIG, STEHEN //
DER, GERECHTE, KOMPT VMB, VND, NIEMAND, IST, DER, ES, ZV, HERTZEN, NEHME, VND, HEILIGE//
LEVTE, WERDEN, WEGGERAFT, VND, NIEMAND, ACHTET, DRAVF DAN, DIE, GERECH : //
TEN, WERDEN, WEGGERAFT, FVR, DEM, VNGLVCK, VND, DIE, RICHTIG, FVR SICH GEWA: //
NDELT, HABEN, KOMMEN, ZVM, FRIEDE, VND, RVHEN, IN, IHREN, KAMMERN.

Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig sind der Menschen Sachen. Alles, alles, was wir sehen, das muss fallen und vergehen. Wer Gott fürcht(et), wird ewig stehen.

Der Gerechte kommt um Und niemand ist, der es zu Herzen nähme, und Heilige werden weggerafft und niemand achtet drauf. Denn die Gerechten werden weggerafft Vor dem Unglück. Und die richtig für sich gewandelt haben, kommen zum Friede und ruhen in ihren Kammern.

Dieser Text besteht aus zwei Teilen; der erste lehnt sich an die letzte (13.) Strophe eines Kirchenliedes an, das Michael Franck um 1650 gedichtet hatte. Sie lautet:

"Ach wie flüchtig, Ach wie nichtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, Das muß fallen und vergehen: Wer Gott fürcht, wird ewig stehen!"

Es folgen darauf  die Verse 1 und 2 aus Jesaja 57, über die es später eine Motette von Johann Sebastian Bach gibt, basierend auf einer Komposition von Johann Kuhnau (1660 – 1722).

1 Aber der Gerechte kommt um, und niemand ist, der es zu Herzen nehme; und heilige Leute werden aufgerafft, und niemand achtet darauf. Denn die Gerechten werden weggerafft vor dem Unglück;

2 und die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern.

 

Ergänzungen zu der Familie Lopez/s de/von Villanova/Villa-Nova:

1. Im Neuen preußischen Adelslexikon, Band 4, von 1837 (jetzt im Internet online) findet man eine Elisabeth Lopez de Villa-Nova als Ehefrau eines Hans Zacharias von Rochow (1603 -1654). Dies war, wie auch von Daniel Peeters bestätigt wurde, eine Schwester "unseres" Martin. Ihr Ehemann stand in den Diensten der Niederlande, Schwedens, von Mecklenburg-Strelitz, Holstein-Schaumburg-Pinneburg sowie des Kurfürsten Ludwig von der Pfalz, wo er Geheimer Rath, Kanzler und Premierminister wurde. Seine Familie muss daher unzweifelhaft auch protestantischen Glaubens gewesen sein.

2. Durch einen Hinweis von Peter Kraut wurden wir auch auf einen Fernando Lopez de Villanova aufmerksam gemacht, der ca. 30 Jahre lang (bis 1609) Gouverneur der zum spanischen Brabant gehörenden Burg Kerpen und des Dorfes Lommersum war, spanischen Exklaven am Niederrhein. Dieser muss aber doch wohl katholisch gewesen sein. Über seine weitere Familie ist nichts bekannt. Man muss also davon ausgehen, dass es im beginnenden 17. Jahrhundert mindestens eine katholische und eine protestantische Familie dieses Namens gegeben hat. Die Ingelheimer Familie war zweifellos evangelisch.

3. Daniel JSM Peeters wies den Historischen Verein mit Email vom 10.10.2011 auf das Grab einer weiteren Schwester von Martin Lopez de Villanova hin, Johanna, geb. 1595 in Köln. Es befindet sich in Bois le Duc, s'Hertogenbosch. Verheiratet war sie mit einem Jacob Sweerts.

 

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Gs, erstmals: 11.10.06; Stand: 26.02.17