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Die Familie von Geispitzheim


Autor: Hartmut Geißler
vgl: Geißler, Adelsfamilien

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Die Familie von Geispitzheim lässt sich durch ihre Grabmale in und um die Burgkirche über 300 Jahre in Ingelheim nachweisen. Abbildung: ihr Wappen, auf der Grabplatte außen an der Wehrmauer

Ihr Name taucht in verschiedenen Versionen auf und leitet sich aus dem früheren Namen der Gemeinde Gabsheim bei Wörrstadt ab, dem geographischen Mittelpunkt von Rheinhessen.

In Urkunden wurde der Ort im Jahre 770 Caisbotesheim, 772 Cheisbotesheim, 775 Gesbotesheim und 1335 Geispitzheim genannt.

Letzteres wurde die offizielle Bezeichnung bis zum 18. Jahrhundert. Im Volksmund hieß der Ort im 17. Jahrhundert Gauspitzheim und ab dem 18. Jahrhundert Gabsheim (laut der Homepage der Gemeinde). Der 1250 dort erwähnte „befestigte Platz ... bei der Kirche“ lässt Rückschlüsse auf eine feste Wohnstatt oder eine kleine Burg zu, die der Stammsitz des Adelsgeschlechts derer von Geispitzheim gewesen sein könnte.

Wodurch und wann Mitglieder dieser Familie nach Ingelheim gekommen sind, ob schon unter den Bolandern im 12./13. Jahrhundert, als diese staufische Vögte im Ingelheimer Grund waren und über viele Ritter geboten, oder erst später, lässt sich nicht feststellen.

Sie haben in Ober-Ingelheim bis heute ihre Spuren hinterlassen; zum einen in der Burgkirche. Diese ihre Grabplatten waren übrigens für Hellwich 1615 nicht sichtbar, weil sie wahrscheinlich schon früher verbaut worden waren.

Unter der Orgelempore befindet sich heute eine zerbrochene und stark abgetretene oder verwitterte Grabplatte dieser Familie, die älteste der Burgkirche überhaupt, für einen Angehörigen der Familie von Geispitzheim, auf dem wir zwar das Wappen erkennen, aber nicht den Namen lesen können, weil die Majuskel-Schrift (gotische Großbuchstaben) stark verdorben ist.

Krämer, Burgkirche, vermutete einen „Eberhard von Geispitsheim“ (sic) aus Ober-Ingelheim, der in einer Schenkungsurkunde von 1304 erwähnt worden sei. Gestorben sei er 1317.

Draußen an der Wehrmauer ist eine weitere frühe Grabplatte aus der Kirche aufgestellt worden, die eines Ritters Johannes von Geispitzheim, gestorben 1354. Sie zeigt ein schräges Wappen, bekrönt von einem Topfhelm mit mächtiger Büffelhorn-Helmzier (s.o.).

Gut bekannt in Ingelheim ist ein Wolf Michael von Geispitzheim, Sohn einer Mutter aus der Familie von Koppenstein und in zweiter Ehe verheiratet mit Agatha Beuser von Ingelheim, von der er wohl einen Teil des Beuser-Besitzes in Ingelheim übernahm, denn deren Familie starb ohne männliche Nachkommen in dieser Zeit aus.

Gestorben ist er am 18. August 1632, wie aus seinem Epitaph hervorgeht. Wolf Michael besaß in der Stiegelgasse Nr. 49 einen größeren Wirtschaftshof, datiert in das Jahr 1608, an dem bis vor kurzem ein bärtiger Männerkopf angebracht war, vielleicht ein Portrait von ihm.

In den Jahren 1597-1619 war er der von der Kurpfälzer Verwaltung eingesetzte Oberschultheiß für die drei Ingelheimer Kernorte.

 

Geißler, erstmals: 27.08.11; Stand: 26.02.17