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Einzelheiten zu den Säulen der Heidelberger Brunnenhalle


Autor: Hartmut Geißler


Sebastian Münster schreibt aus eigener Kenntnis, da er zeitweise in Heidelberg studierte und dort auch Dozent war, in seiner Cosmographia von 1545, S. 877:

"Es sind nach meiner Erinnerung noch fünf oder sechs steinerne gegossene Säulen darin (im Saal, der ehemaligen Pfalz) gewesen, die vor langer Zeit Kaiser Karl der Große von Ravenna aus Italien zusammen mit anderen Säulen, der er nach Aachen schaffte, hat hierher bringen lassen; aber Pfalzgraf Ludwig hat sie später nach Heidelberg auf das Schloss transportieren lassen, und da sind sie noch immer."

"gegossene" muss ein Missverständnis Münsters oder eine Fehlübersetzung aus dem Lateinischen sein, vielleicht von "fusus", was normalerweise "gegossen" heißt, aber auch "hingestreckt, umgefallen", so dass sich die Notiz auf herumliegende Säulen in der Ingelheimer Pfalz beziehen kann, die der Kurfürst dann hat nach Heidelberg transportieren lassen. Gs

 


 

Rödel vermerkt in seinem Artikel über die Reichspfandschaften der Pfalzgrafen zu den Säulen der Brunnenhalle im Heidelberger Schloss (S. 95/96):

"Ob Philipp der Aufrichtige die sechs für die Brunnenhalle des Heidelberger Schlosses verwendeten Säulen, die Karl der Große bereits als antike Spolien in seine Kaiserpfalz Ingelheim hatte einbauen lassen, eher aus Begeisterung für die Antike von dort nach Heidelberg überführen ließ oder aber als Aneignung von Traditionen des ursprünglichen lothringischen Pfalzgrafenamts, wäre einer Untersuchung wert."

 

Gs, erstmals: 07.08.05; Stand: 11.08.14