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Die fränkische „Landnahme“ um und nach 500 n. Chr.


Zitat aus Wenzel, Ausstellungskatalog, S. 20


"Der fränkischen Einverleibung Rheinhessens folgte schon bald eine ausgedehnte Siedlungstätigkeit, die sich in der Anlage vieler neuer Siedlungen und Höfe niederschlug, aus denen im Laufe des Mittelalters die meisten der heutigen Dörfer hervorgingen. Bereits bestehende Hofstellen wurden mitunter weiterhin benutzt. Wer im Lande verblieb, geriet in Abhängigkeit oder hatte sich in irgendeiner Weise mit den neuen Machthabern zu arrangieren.

An der Mosel beispielsweise läßt sich im ländlichen Milieu über mehrere Generationen hinweg unter fränkischer Oberherrschaft ein Weiterleben römischer Siedlungen und Lebensweise konstatieren. Maß und Erfolg fränkischer Machtausübung waren direkt an die jeweils vorhandene Bevölkerungsstruktur geknüpft.

Es ist anzunehmen, daß die meisten Siedlungen im Ingelheimer Raum in den Jahren um bzw. nach 500 von Franken gegründet wurden. Anzeichen für eine vormalige alamannische Siedlungstätigkeit liegen von archäologischer Seite nicht vor. Gern spricht man im Zuge dieser Siedlungstätigkeit in frühmerowingischer Zeit von einer Landnahme, doch vermag dieser Begriff den tatsächlichen Verhältnissen und Entwicklungen in dieser Zeit nur partiell gerecht zu werden, darf man sich diese doch nicht als eine Inbesitznahme bislang nicht besiedelten Gebiets vorstellen."

 

Gs, erstmals: 28.07.05; Stand: 28.06.2011