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Sebastian Münsters geographisch-historische Forschungsreisen


Autorin: Margarete Köhler
mit Ergänzungen von Hartmut Geißler


Es verwundert, dass Sebastian Münster, im Gegensatz zu anderen Humanisten seiner Zeit, kein weitgereister Mann war. Als Geograph sah er durchaus die Notwendigkeit, fremde Länder durch Forschungsreisen zu erkunden, und litt darunter, dass er in dieser Hinsicht den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden konnte.

Während seiner Zugehörigkeit zum Franziskanerorden fehlte ihm zunächst die erforderliche Freizügigkeit. Nach seinem Austritt schränkte der Mangel an Geld und Zeit seinen Aktionsradius ein.

Ab 1526 bereiste er in kleinen Expeditionen den südwestdeutschen und schweizerischen Raum, wo er seinen Lebensmittelpunkt hatte. Für die Fahrten nutzte er hauptsächlich die Universitätsferien, weil ihm seine Lehrtätigkeit als Hebraist wenig Spielraum ließ.

Häufig war er unterwegs bei Freunden, Mitarbeitern und Förderern zu Gast. So besuchte er Vadian in St. Gallen, Tschudi in Glarus, Frecht in Ulm, Calvin in Genf, Oekolampad in Zürich und Farel in Neuenburg.

Er folgte einer Einladung des Grafen Wilhelm Werner von Zimmern nach Schwaben, und auf der Mindelburg war sein Gastgeber ein Enkel des kaiserlichen Feldhauptmanns Georg von Frundsberg.

Auf der Mainau bewirtete ihn der Deutschordenskomptur Sigismund von Hornstein.


Eine Karte seiner Reisen, zusammengestellt aus Burmeister 1963 (mit der Ergänzung von Chur, auf die Burmeister brieflich 2006 hinwies):

 

Ab 1545 war Münster wegen seiner Cosmographie ein von den Städten und Landesherren geachteter und umworbener Mann, der großzügige Einladungen erhielt. Als Forscher führte Münster auf seinen Fahrten historische Studien und kartographische Aufnahmen durch. Die Darstellung der von ihm persönlich bereisten Landschaften und Städte zeichnet sich in seinen Werken durch besondere wissenschaftliche Qualität und Genauigkeit aus.


Chronologische Übersicht der Reisen Sebastian Münsters

- 1526 Erkundung des Heidelberger bezircksmit folgenden Eckpunkten:


Oppenheim
Landau
Heilbronn
Miltenberg
Kloster Lorsch


- 1530 Reise in die Nordostschweiz (Besuch Vadians in St. Gallen)

- ???? Frankenreise (Untermaingebiet)

- 1537 Schwabenreise, mit Abstecher in den Aargau, zu folgenden Zielen:

Südlicher Schwarzwald
Hegau (Hohentwiel)
Donauquellen
Baden im Aargau (auf dem Rückweg)


- 1541 Schwabenreise mit folgenden Zielen:

Donauquellen
Ulm
Augsburg


- 1542 Reise in die Westschweiz zu folgenden Städten:

Genf
Neuenburg
Avenche
Payerne


- 1543 Reise in den Schwarzwald (über Zürich) mit Berührung folgenden Orte:

Bülach
Fürstenberg (über Rottweil)
Zimmern
St. Georgen (Münster verirrte sich auf dem Weg nach Freiburg)
Freiburg


- 1545 Reise in das Lebertal / Liepvrette (Elsass) mit den Zielorten:

Kloster Rufach
Silberbergwerk


- 1546 Reisen nach Südostschwaben und zum Bodensee:

Weingarten
Waldburg
Isny
Kempten
Mindelheim
Augsburg
Mainau

- 1546 Reise ins Wallis mit folgender Route:

Solothurn
Genfer See
Rhonetal
Zürich

 

Zwei kolorierte Einzelblätter des Wallis (mit Teilen des Rhonetales) aus Sebastian Münsters Cosmographie; © Hist. Verein Ingelheim / Museum bei der Kaiserpfalz; Fotos: Geißler


Es fällt auf, dass Münster auf keiner seiner Reisen nochmals seine Heimat Ingelheim besucht hat, weder als er 1526 in Oppenheim war, noch bei seiner Reise nach Unterfranken danach. Oder sind diesbezügliche Notizen einfach nur mit dem Großteil seiner Briefe verloren gegangen?

Er selbst hat einmal mit etwas selbstironischem Wehmut auf einen Spruch im Fenster seines Basler Hauses hingewiesen, der von einem Vorbewohner angebracht worden war: "In portu navigo." = "Ich segle im Hafen umher." Von dieser etwas bodenständigen Einstellung Münsters her hat Günther Wessels sein Buch über ihn so genannt: "Von einem der daheim blieb die Welt zu entdecken". (Gs)

 

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Gs, erstmals: 18.08.06; Stand: 28.02.17