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Die Papierstofffabrik an der Selz

 

Autor: Hartmut Geißler
nach Henn, Industrie-Entwicklung

Etwa 1865 wurde durch Dr. Hermann Heyer und Hermann Pistor eine Papierstofffabrik auf dem "Hammelacker" zwischen dem Weinheimer Weg und der Selz gegründet, etwa an der Stelle des neuen Boehringer- Verwaltungsgebäudes. Sie beschäftigte zeitweise 150 Beschäftigte und produzierte bis 1888 Rohstoff für die Papierherstellung, und zwar Zellwolle, die aus Stroh, das aus ganz Rheinhessen dorthin transportiert wurde, durch Röst- und Kalzinieröfen und nach einer Bleiche durch Chlor  hergestellt wurde.

Ihre offizielle Bezeichnung damals lautete: "Industrie-Etablissement der Mainzer Filiale der Vereinigung Deutscher Strohstoff-Fabriken" (Henn, S. 4).

Die Fabrik hatte einen hohen Wasserverbrauch, den sie mit Wasser aus der Selz deckte. Ihre Abwässer leitete sie gleichfalls in die Selz, die dadurch stark verunreinigt wurde, sodass es sogar von Frei-Weinheimer Fischern Klagen gab. Auch gegen den Geruch dieser Fabrik protestierte Wilhelm von Erlanger, der höchste Grundsteuerzahler Nieder-Ingelheims. Die im Gemeinderat stark vertretenen Bauern kritisierten die Fabrik, weil sie ihnen (Saison-) Arbeitskräfte abwarb.

Henn berichtet von der Vermutung über den Grund des Produktionsendes 1888, dass die Wasser-Entnahme- und Einleitungsrechte nicht verlängert wurden.

Ihre Gebäude sind (in übertriebener Größe und zu dicht an die Binger Straße platziert) rechts auf dem Briefkopf der Cementfabrik mit zu sehen.

Gs, erstmals: 22.02.07; Stand: 05.12.16