Philipp Dengel

 

Autor: Hartmut Geißer
aus: Meyer-Klausing, S. 501-503

 

Hans Georg Meyer stellte auch den Lebenslauf eines hochrangigen deutschen Kommunisten der Stalinzeit dar, der aus Ingelheim stammte und aus dem Ausland Widerstand leistete:

"Philipp Dengel wurde am 15. Dezember 1888 in Ober-Ingelheim als Sohn des gleichnamigen Win­zers und Weinbrenners Philipp Dengel aus der „Uff­hub“ geboren. Er besuchte die Schule in Ober-In­gelheim, bevor er 1903 auf das Realgymnasium nach Mainz wechselte und dort 1907 sein Abitur machte. Anschließend studierte er bis 1911 Philosophie und Geschichte an den Universitäten Mainz [hier muss sich Meyer irren] und Gie­ßen. Er arbeitete von 1911 bis 1913 als Lehrer an einer Privatschule und war von 1913 bis 1918 Soldat.

Von 1911 bis 1919 war Dengel Mitglied der SPD, wechselte dann aber zur KPD. In den Jahren von 1924 bis 1930 gehörte er der KPD- Fraktion im Reichstag an und stieg zu einem der führenden Funktionäre der KPD in Deutschland auf. Er war ab 1925 Mitglied des Zen­tralkomitees (ZK) und des Politbüros der KPD (ZK-­Sekretär) und zusammen mit Ernst Thälmann Vorsitzender der KPD.

In Ingelheim trat er anlässlich der Reichstagswahl im September 1930 in Erscheinung. Am 10. September 1930 lud die kommunistische Orts­gruppe Ingelheim zu einer öffentlichen Wahlver­sammlung mit dem Reichstagsabgeordneten Dengel ein. Über 300 Zuhörer besuchten die Veranstaltung am nächsten Tag, und obwohl die Teilnehmenden nicht mit allem einverstanden waren, was Dengel im Einzelnen vortrug, „folgte man gespannt seinen Ausführungen“. In seiner Rede griff er auch die SPD an, die alles andere als eine Arbeiterpartei sei.

Berichte darüber, er sei aufgrund von Konflikten mit Thälmann aus der Parteileitung ausgeschlossen wor­den, wies die KPD-Ortsgruppe vehement zurück. Gleichzeitig wandte sie sich gegen die Behauptung, Philipp Dengel sei bei der Parteiführung in Ungnade gefallen; er sei noch immer Mitglied im ZK.

Nach dem Reichstagsbrand 1933 siedelte Dengel mit der Familie in die UdSSR über. Hier lehrte er ab 1937 an der Internationalen Lenin-Schule der Komin­tern in Moskau. Am 8. März 1938 wurden er und seine Familie aus Deutschland ausgebürgert. Als ein dem linken Flügel der KPD zugehöriger Funktionär spiel­te er im so genannten „Lutetia-Kreis“ (Paris 1935/36) und im Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) eine gewisse Rolle. Er hatte schon lange die Idee unterstützt, eine ,,Volksfront“ aus den Gegnern Hitlers zu gründen. Nun unter­nahm er in Paris den Versuch, diese „Volksfront“ zu schaffen. Die vorbereitende Versammlung dazu traf sich im Hotel Lutetia. Dabei ging es letztlich um die Umsetzung eines vom Politbüro der KPD in Moskau verabschiedeten Grund­satzpapiers, welches zur Bildung einer breiten „Volksfront“ gegen Hitler auf­rief, ungeachtet der politischen Herkunft der Beteiligten. Die Konferenz verlief unbefriedigend und letztendlich kam nur ein Kompromisspapier, der „Aufruf an das deutsche Volk“, zustande.

Bis 1947 war Dengel u. a. in den USA, Großbritannien, Spanien, Lateinamerika, Moskau und in Schweden für die Kommunistische Internationale tätig, 1941 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. 1947 kam er sehr krank nach Ost-Berlin zurück, wo er 1948 verstarb."

Philipp Dengel kehrte also nie wieder nach Ingelheim zurück.

 

Gs, erstmals: 21.11.13; Stand: 22.02.17