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Schöffenverzeichnis der Gerichte in Ingelheim (1451-1514)


Autor: Hartmut Geißler
aus Loersch, S. 528 und 529


Das große Kopiar, aus dem Loersch hier zitiert, ist 1944 bei der Bombardierung Darmstadts verbrannt.

Exzerpt:

Datum

Name

Bemerkungen

1451 Junker Hans Swicker starb im Herbst; Swicker war ein gebräuchlicher Vorname bei den von Sickingens und den von Helmstatts
1451 Junker Philipp von Ingelheim Sohn des bei Bulgnéville 1431 gefallen Philipp von Ingelheim
1454 Hans (Johann) von Ingelheim Heirat mit Elisabeth Wolff von Sponheim
1451 Junker Hans von Ingelheim zum Schöffen gewählt
1451 Clese (Klaus) Raup zum Schöffen gewählt; stirbt 1487
1480 Hans von Ingelheim stirbt ("selig, lieblich, streng"), ähnlich wie auf der Grabumschrift
1458 Junker Diele Slunp (oder Slump) stirbt
1459 Junker Hans Franck stirbt
1459 Junker Wilhelm Wintterbecher stirbt
1459 Junker Heinrich von W(e)ingarten
und Philipp B(e)user
und Heinrich B(e)user
zu Schöffen gewählt
1481 die mit Namen Partenheymer zum Schöffen gewählt
1481 Adam Slump zum Schöffen gewählt
1481 Hans Wolff von Sponheim zum Schöffen gewählt
1481 Peter Bartolmes zum Schöffen gewählt; ein Adliger aus Nydder Ingelnheim!
1484 Emerich von Engelstadt stirbt; "ein Schöffe eines strengen Wesens"
1487 Heinrich Wolff von Sponheim stirbt; "ein frommer Mensch"
1488 Anthis Wolff von Lonstein (Lahnstein?) zum Schöffen gewählt
1488 Karl von Ingelheim (infans) zum Schöffen gewählt
1488 Hans Flach von Schwarzenberg zum Schöffen gewählt
1488 Hans von Scharffenstein zum Schöffen gewählt
1491 Philipp Flach von (Schwarzenberg) zum Schöffen gewählt
1491 Emerich von Engelstadt (junior) zum Schöffen gewählt
1495 Gerhardt Knebel von Katzenelnbogen zum Schöffen gewählt
1498 Philipp B(e)user der junge zum Schöffen gewählt
1501 Jörg Flach von Schwarzenberg zum Schöffen gewählt
1505 Hilgar von Abentrütt zum Schöffen gewählt
1505 Bernhart Horneck von Weinheim zum Schöffen gewählt
1514 Diether von Buchiß zum Schöffen gewählt

 

Die Ergänzung des Schöffengremiums geschah durch Kooptation, d.h. ein Nachfolger für einen verstorbenen Schöffen - das Amt wurde auf Lebenszeit verliehen - wurde von den anderen Schöffen aus dem Personenkreis heraus gewählt, der dafür in Frage kam (als Adliger musste er Mitglied in der Gelübd, frei und mit vererbbarem Grundbesitz ausgestattet sein).

Ob sich junge Adlige schon in jungen Jahren, etwa durch häufiges Hospitieren bei den Sitzungen des Gerichts, auf spätere Schöffenaufgaben vorbereitet haben, ist nicht bekannt, aber natürlich leicht möglich, da die Sitzungen öffentlich waren. Wenn für die Ingelheimer Schöffen dieselbe Altersgrenze für das Eintrittsalter wie beim "Kleinen Kaiserrecht" galt, konnte man frühestens mit 24 Jahren zum Schöffen gewählt werden (Munzel, Kaiserrecht, S. 5).

Diese Ergänzung fand auf den gewöhnlichen Gerichtstagen statt, manchmal auch für mehrere offene Stellen gleichzeitig, so dass bis zum Nachwahltermin die Zahl der Schöffen zeitweilig sank. Von Johann ("Hans") von Ingelheim, gestorben 1480, einem der Söhne des in Lothringen 1431 gefallenen Ritters Philipp von Ingelheim, sind folgende Lebensstationen und Tätigkeiten bekannt:

Hans von Ingelheim (Foto: Gs) - zum Vergrößern anklicken

- Er wurde 1451 zum Schöffen gewählt. Da dürfte er mindestens 24 Jahre alt gewesen sein.
- Drei Jahre später (1454) heiratete ("kaufte") er seine Frau Elisabeth Wolff von Sponheim.
- Er war Burgherr der kurmainzischen Binger Burg Klopp; damit im Zusammenhang steht möglicherweise folgende finanzielle Transaktion:
- Er lieh dem Mainzer Erzbischof und Kurfürsten Dietrich (Schenk von Erbach, 1434 bis1459), mit dem er über seine Frau weitläufig verwandt war, eine größere Summe Geldes (780 Gulden).
- Er gehörte zu den sechs Adligen, die 1470 zwischen dem Pfalzgrafen Friedrich I. und der Stadt Weißenburg vermittelten.
- Er ist der einzige Adlige mit drei schmückenden Adjektiven auf seinem Grabdenkmal, "holdselig, löblich, streng" (= tapfer), was für einen hohen Bekanntheitsgrad seiner Person zeugt.
- Er wird ausdrücklich auf der Grabumschrift als "rytter" (Ritter) bezeichnet. Für diesen Rang (auf dem Grabmal links in der Ober-Ingelheimer Burgkirche ist er als Ritter dargestellt) musste er natürlich auch häufig den ritterlichen Kampf trainieren. Dargestellt ist er wahrscheinlich in einer (teuren) Turnierrüstung.

Ritter, die für die Kurpfalz Militärdienste leisteten (wie sein Vater Philipp), konnten schwerlich nebenher Gerichtsgeschäfte in Ingelheim ausüben, sodass Philipp auch kein Schöffe war. Dies trifft sicherlich gleichfalls auf eine andere Personengruppe zu, die Schöffen mit auswärtigem Wohnsitz. Besonders in späterer Zeit (16./17. Jh.) waren adlige Schöffen auch außerhalb des Ingelheimer Reichs ansässig, hatten aber dort Grundbesitz, den sie wohl von ehemaligen Mitgliedern des Schöffengremiums geerbt oder gekauft hatten, an deren Stelle sie nun traten. Dies wurde zu einem Ansatzpunkt für spätere Klagen.

Die Tätigkeit eines Schöffen scheint für das Prestige eines damaligen Adligen nachrangig gewesen zu sein, denn in den Genealogien, so bei Humbracht und Echter, wird zwar festgehalten, wenn die Person "Ritter", "Schultheiß", "Oberschultheiß", "Amtmann", "Burggraf" oder ähnliches war, niemals jedoch ihre Position als Schöffe.

 

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Gs, erstmals: 14.12.08; Stand: 27.02.17