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Die Rechtsauskunft des Oberhofs im Fall der Frau aus Kaub, die einen Alaunstein in den Wein gehängt hatte


Autor: Hartmut Geißler
aus: Loersch, S. 485/6 [Anh. 11]


"Caub. Item her Clais Thies von Cube had gefreget:

Iz were ein frauwe bi in zu Cube, die hette einen alunstein in ein halb fuder wins, daz ir were, gehangen, und also die kauflude darubir quemen, so funden sie den stein darin hangen und wulden des wins darumb nit keufen, und waz dabi ein gesworn ufstoser, der brachte daz far, und ist die frauwe darumb gefangen; - und begert an eime urteil: obe die frauwe den lip virmacht habe oder nit?

Dez ist gewiset:

Man solle den selben stein nemen und den schabin in dez selben wins ein clas fol und der frauwin drinken geben, und sal daz geschien mit kuntschaft dez gerichtes; bekomet ir der drang da wole und ist ir nit schedelich, so had sie darum nit virbrochen, ist er ir abir schedelich, so neme sie den schaden.“

Ein salomonisches Urteil: Man sollte der Frau eine Glas Wein zun trinken geben, in das derselbe Stein hineingeschabt worden sei. Und wenn es ihr bekomme, solle es gut sein; wenn nicht, könne sie verurteilt werden.

 

Gs, erstmals: 23.12.08; Stand: 27.02.17