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Ingelheimer Schulen 1914 - 1933


Autor Hartmut Geißler


Generell lässt sich über die Ingelheimer Schulen jener Zeit feststellen, dass sie alle unter der schlechten Finanzlage litten, deshalb in sehr beengten Raumverhältnissen unterrichten mussten und Klassengrößen aufwiesen, die für heutige Vorstellungen völlig inakzeptabel erscheinen.

Insbesondere die neunklassige Höhere Bürgerschule, die 1924 zur zehnklassigen Realschule aufgestockt wurde, war mehrfach durch fehlende Finanzmittel in ihrer Existenz bedroht, was sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als sie zum Gymnasium aufgewertet wurde, noch fortsetzte.


1. Zeitungsmeldungen zu den Volksschulen

Pestalozzischile in Nieder-Ingelheim
Präsident-Mohr-Schule in Ober-Ingelheim

 

"20. Mai 1915 - N.-I. In Nieder-Ingelheim gibt es 680 Schulkinder (389 evangelische, 289 katholische, 2 israelitische), die in 8 Klassen unterrichtet werden. Auf eine Klasse kommen im Schnitt 85 Kinder." - (Chronik, S. 82)

"19. Mai 1917 - N.-I. Mit Rücksicht auf die Spargelernte hat die Schulverwaltung die oberen Volksschulklassen auf 4 Wochen geschlossen." - (S. 87)

"15. Mai 1931 - N.-I. Die Volksschule wird derzeit von 499 Kindern besucht (233 Knaben und 276 Mädchen), 276 gehören der evangelischen und 219 der katholischen Kirche an, 1 Knabe ist Israelit, einer konfessionslos. Auf einen Lehrer kommen durchschnittlich 50 Schüler." - (S. 147)


2. Zeitungsmeldungen zur Höheren Bürgerschule/Realschule:

"30. März 1918 - O.-I. Die Höhere Bürgerschule wurde im abgelaufenen Schuljahr von 117 Schülern und Schülerinnen besucht. Vor dem Krieg war die Zahl 100 noch nicht erreicht. Die Schule erfreut sich immer größerer Beliebtheit." - (S. 88)

"1. September 1922 - O.-I. Der Fortbestand der höheren Bürgerschule, die gegenwärtig von 105 Kindern (die Hälfte aus Ober- und ein Drittel aus Nieder-Ingelheim) besucht wird, ist wegen eines Defizits für 1922 von 400.000 Mark gefährdet, da die Kosten der Bürgerschaft gegenüber nicht verantwortet werden können." - (S. 102)

"31. März 1925 - Bei einer gemeinsamen Sitzung der Gemeindevertretungen von Nieder- und Ober-Ingelheim beschloß man den Ausbau der Höheren Bürgerschule Ober-Ingelheim zu einer von beiden Gemeinden getragenen Realschule, die ein neues Schulgebäude erhalten soll." (S. 112)

Zu einem neuen Gebäude reichten die Finanzmittel aber erst beim Umzug des aus der Bürgerschule entstandenen Gymnasiums 1960 an die Dörrwiese. Foto: Gebäude der Höheren Bürgerschule vor dem Krieg (Hist. Verein / Geißler)

"17. Februar 1927 - Realschule Ingelheim. Die finanzielle Situation der Realschule Ingelheim ist sehr schlecht. Während einer Elternversammlung hat man nun beschlossen, daß das Fortbestehen der Realschule unbedingt gewährleistet sein muß. Es wird an alle Gönner und Freunde der Schule die Bitte gerichtet, durch Zeichnung freiwilliger Beiträge in zirkulierenden Listen dazu beizutragen, daß diese wichtige Bildungsstätte des Ingelheimer Grundes erhalten bleibt." (Chronik, S. 119)

"16. Mai 1928 - O.-I. Dem Vorschlag des Kuratoriums der Realschule auf Umwandlung derselben in ein Reform-Real-Gymnasium stimmt der Gemeinderat zu, da höhere Kosten durch die Umwandlung nicht entstehen." (S. 127)

Daraus wurde aber vorerst nichts, bis die französische Besatzungsmacht 1945 die Umwandlung der Bürgerschule in ein Gymnasium anordnete.

"19. Februar 1930 - 0.-I. Realschule bleibt. Durch intensive Sparmaßnahmen in der gegenwärtigen schweren Zeit soll die Erhaltung der Realschule gewährleistet werden. Man will eine Lehrkraft durch Zusammenlegung zweier kleinerer Klassen ersparen, die Vergütung für sogenannte Überstunden wegfallen lassen und auch in anderen Bereichen sich einschränken, so daß sich der Zuschuß der Gemeinde auf 6400,- Mark pro Jahr belaufen wird. Mit 9 gegen 4 Stimmen setzte sich der Ober- Ingelheimer Gemeinderat dafür ein, die Schule zu erhalten. Für das Schuljahr 1930/31 liegen bis jetzt 32 Neuanmeldungen vor." (S. 134)


3. Zur Berufsschule
(gleichfalls aus: Chronik und Ingelheim 74):

"Etwa 1885 richtete der Staat ... eine Fortbildungsschule ein. Sie stand in Verbindung mit den Volksschulen, der Unterricht wurde von Volksschullehrern und Handwerksmeistern erteilt. Schulpflichtig war die schulentlassene Jugend, wenn sie einen handwerklichen oder kaufmännischen Beruf erlernte. Der Unterricht war in den Abendstunden ein- oder zweimal wöchentlich (Abendschule). In den Klassen saßen oft Schüler aus 10 oder mehr Berufen. Mit der Spezialisierung der Berufe um die Jahrhundertwende war dieser Zustand unhaltbar geworden, doch verhinderte der 1. Weltkrieg die Weiterentwicklung." (Ingelheim 74, S. 60)

Dazu drei Zeitungsmeldungen:

"25. Januar 1916 - Der Gewerbeverein Ingelheim tagte unter seinem Vorsitzenden, Buchdruckereibesitzer Eckoldt. Die Hauptsorge galt der Erhaltung der Handwerkszeichenschule. Von 113 Mitgliedern stehen 38 im Felde." (Chronik, S. 83)

"2. Dezember 1916 - O.-I. Die vor 14 Tagen begonnene Fortbildungsschule wurde jetzt wieder geschlossen. Die jungen Leute werden jetzt nötiger in den Betrieben gebraucht." (Chronik, S. 85. - Fortbildungsschulen gab es in den hessischen Landgemeinden in den Winterhalbjahren; sie alle sollten deswegen geschlossen werden/bleiben. Gs)

"4. Juli 1921 - O.-I. Handwerkerzeichenschule. Der untere Saal im Rathause ist neu hergerichtet und der Handwerkerzeichenschule des Gewerbevereins Ingelheim als Zeichenlokal seitens der Gemeinde überlassen worden..."  (Chronik, S. 100)

"Das Jahr 1922 brachte dann eine entscheidende Reform. Es wurden spezielle Lehrer für diese Schule ausgebildet (Gewerbelehrer, Handelslehrer, Landwirtschaftslehrer). Die Schule wurde umbenannt in Berufsschule, das Fächerangebot wurde erweitert. Räumlich war die Berufsschule in Ingelheim in der Pestalozzischule untergebracht." (Ingelheim 74, S. 60)

4. Sonstige Zeitungsmeldungen, die Schulen betrafen

"18. Februar 1915 - Ingelheim Glockengeläute. Der glänzende Sieg der Ostarmee über die Russen, Hindenburgs neueste Tat, gab Veranlassung, heute wieder mit allen Glocken zu läuten. Die Kinder bekamen schulfrei." (Chronik, S. 81)

"31. Oktober 1918 - Todesfälle durch Grippe. Seit einigen Wochen herrscht in unseren Gemeinden eine so starke Grippe-Epidemie, daß es bereits zu vielen Todesfällen gekommen ist... Die höhere Bürgerschule und die Volksschule bleiben wegen der Grippe geschlossen." (S. 90)

"19. November 1918 - Die beiden Ingelheim zählen zu Gemeinden, die zur Beschaffung von Massenquartieren für die von der Front zurückkehrenden Truppen verpflichtet sind. Sämtliche Schulen und nötigenfalls auch die Kirchen sind sofort zu räumen ..." (S. 92)

"31. März 1923 - O.-I. Oberamtsrichter Hausmann und Lehramtsassessor Schreiber sind mit ihren Familien ausgewiesen worden." (S. 105)

 

 

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Gs, erstmals: 13.10.07; Stand: 22.02.17