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Das Veteranendenkmal in Großwinternheim - Frontseite


Autor und Fotos: Hartmut Geißler
(vgl. BIG 49, S. 215-217)

 


Die Texte:

Oben:

Anton Lieb Vet.
Geb. im J. 1790 Gest.
                         1872

Mitte:

Wir, unter
NAPOLEONS
Fahnen gedienten
Groswinternheimer
weihen dieses Denkmal
unseren auf dem Feld der
Ehren gefallenen
Kameraden. Errichtet
unter der segensvollen
Regierung Sr. Königli=
chen Hoheit
LUDWIG II
Großherzogs von Hessen
und bei Rhein
den 10ten Novbr: 1844

 

Unten:

DER ZEITLICHE BÜRGERMEISTER
SCHWARZ

 

Auffällig ist vor allem die ungeschickte Raumaufteilung der Beschriftung ganz oben (Anton Lieb). Es ist der einzige Veteran, der sozusagen einen Ehrenplatz auf der Vorderseite erhielt und dessen Name auf der Westseite noch einmal wiederholt wird. Siehe dort!

Die Verteilung und verschiedene Größe der Wörter und Jahreszahlen erwecken den Eindruck, als ob später noch etwas ergänzt werden musste, wofür vorher kein rechter Platz gelassen worden war. Besonders die Jahreszahl 1872, sein Todesjahr, macht den Eindruck, als sei sie noch irgendwie dazugequetscht worden. Es scheint sich hierbei um ein Grundproblem dieser Beschriftungen zu handeln, nämlich um die Situation, dass bei der Erstellung zwar schon viele Namen und Daten geschrieben werden konnten, dass aber manche Personen noch lange lebten und deren Sterbedaten erst später nachgetragen werden konnten, eine Methode, die auch für das Mainzer Denkmal vorgesehen war. (Klein, S. 16)

Ganz unten hat sich auch der damalige ("zeitliche") Bürgermeister Schwarz eintragen lassen, der aber offenbar nicht zum Kreis der Veteranen zählte.

Von beiden auf dieser Frontseite genannten Personen existieren bis heute Grabsteine auf dem Friedhof, die gleichfalls vor kurzem restauriert worden sind (siehe unten).


Aber auch die Widmung des Denkmales, die schwungvolle Beschriftung zwischen diesen beiden Personen, zeigt einige Auffälligkeiten.

1. Was soll das kleine e über dem ersten Wort "Wir"? Ein i-Punkt ist schon vorhanden; soll es der Versuch einer Verbesserung sein, weil jemand glaubte, das Wort dort mit ie schreiben zu müssen, und deshalb das e noch darüber geschrieben hat? Schließlich gab es damals noch keinen Duden und auch die damaligen Akten weisen eine relativ große Vielfalt von Schreibweisen auf.

2. NAPOLEON und LUDWIG haben dieselbe Buchstabengröße zugeteilt bekommen, damit sich der Großherzog nicht zurückgesetzt fühlen musste. Schließlich wollte man sich bei aller Napoleonnostalgie doch als staatstreue Hessen zeigen!

3. Auch für das Wort "Groswinternheimer" wurde eine andere Buchstabenart gewählt als für den restlichen Text.

Insgesamt zeigt die Beschriftung der Frontseite ein starkes Bemühen um eine schöne Wirkung, obwohl auch hier die Mittigkeit der Zeilen zwar anscheinend angestrebt, aber nicht immer ganz erreicht wurde.

Die Textgestaltung lehnt sich teilweise an Formulierungen aus den Aufnahmeurkunden des Mainzer Vereins und an dessen Denkmal an (Klein, S. 15-16): "Welche unter den Fahnen Napoleons auf dem Felde der Ehre gefallen sind."


Unten die beiden Grabsteine von Anton Lieb und vom Bürgermeister Schwarz und seiner Ehefrau:

 

Gs, erstmals: 18.12.05; Stand: 09.02.17