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Das Tafelgüterverzeichnis (Servitienverzeichnis) aus staufischer Zeit


Autor: Hartmut Geißler

nach: Peter Classen, Wolfgang Metz und Brühl (1968)


Dieses bekannte, aber in vielen Einzelheiten umstrittene Tafelgüterverzeichnis des "Königs der Römer" soll in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden sein. Es führt u. a. die rheinfränkischen Besitzungen des Königs mit ihren Leistungspflichten auf, möglicherweise als Belastungsobergrenzen.

Ein "Servitium" (= Dienst für den König) umfasste die Lieferung von

40 Schweinen, 7 Ferkeln, 50 Hühnern, 5 Kühen, 500 Eiern, 10 Gänsen, 5 Pfund Pfeffer, 90 Käsen, 10 Pfund Wachs, 4 großen Fudern Wein.  Getreide wurde gesondert abgerechnet.

Ob die Abgaben noch als Naturalleistungen erfasst wurden oder schon, wie im damaligen Italien sicher, schon als Geldleistungen, ist umstritten. Aus ihnen mussten natürlich auch die laufenden Kosten für die Burgmannen bezahlt werden, die es nach dem Umbau der Pfalz zu einer Burganlage in staufischer Zeit hier gegeben hat.

Die Königsgüter in "Franken" am Rhein sind darin mit folgenden Servitien verzeichnet:

- Tiel (Niederlande im Gelderland) mit 2 Servitien
- Nymwegen mit 8
- Aachen mit 8
- Conzen mit 2
- Remagen mit 2
- Sinzig mit 2
- Hammerstein mit 2; (eine Burg am Mittelrhein zur Aufbewahrung der Reichskleinodien)
- Andernach mit 2
- Boppard mit 3
- Ingelheim mit 3
- Kaiserslautern mit 8
- Briey (nordwestlich von Metz) mit 8
- Diedenhofen mit 3
- Flörchingen (bei Metz) mit 7
- Zolwer (bei Esch, Luxemburg) mit 7
- Sierck mit 7
- Haßloch mit 1
- Nierstein mit 1
- Tribur mit 4
- Frankfurt mit 3 Servitien

Ingelheim liegt mit drei Servitien etwa in der Mitte, gleichauf mit Frankfurt, während die Königshöfe von Nymwegen, Aachen, Kaiserslautern, Briey, Flörchingen, Zolwer und Sierck mit 8 bzw. 7 Servitien mehr als doppelt so hohe Leistungen zu erbringen hatten.

Nach den Schätzungen von Metz (S. 14) lassen drei Servitien auf etwa 90 bis 120 Hufen (Bauern-Höfe) auf dem Land des Ingelheimer Königsgutes und seiner Dörfer schließen, die demnach in staufischer Zeit Abgaben für die "Mensa" des Königs leisten mussten, wenn er sie beanspruchte, weil er sich in unserer Region aufhielt. Dies galt mit großer Sicherheit auch für das große Pfingstfest Barbarossas in bzw. gegenüber von Mainz 1184, dessen auch kulinarische Pracht allseits bewundert wurde.

Classen bezweifelt, ob sich die Theorie dieser Aufstellung immer mit der Realität der Praxis gedeckt hat, was z. B. die Käseherstellung in Ingelheim angehe. Doch war die Milchviehhaltung auch im Ingelheimer Raum früher etwas ganz Normales, so dass auch hier Käse- oder Quarkherstellung durchaus denkbar ist, während es heute keinerlei Milchkühe mehr in Ingelheim gibt.

Gleichwohl zeigt die Erwähnung Ingelheims in dieser Liste die fortdauernde Bedeutung des hiesigen Königsgutes für die staufischen Könige, auch wenn sie die Palastanlagen der ehemaligen Pfalz nicht mehr für Reichstreffen oder -feste benutzten.

Gs, erstmals: 20.03.06; Stand: 03.02.17