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Rechtlose Zustände im "Interregnum", der Zeit ohne wirksame Königsherrschaft


aus der Wormser Chronik von Friedrich Zorn und Franz Berthold von Flersheim

"Desmals aber stunds in Deutschland und fürnehmlich am Rhein also, daß wer der stärkst war, der schub den andern in sack, wie er kunnt und möcht. die reuter und edelleut nähreten sich aus dem stegreif, mordeten wen sie konnten, verlegten und versperten die päss und straßen und stellten denen, so ihres gewerbs halben über land ziehen musten, wunderbarlich nach.

darneben hatten etliche herrschaften neue zöll am Rhein aufgericht, auch war das arm volk mit übermäßigen unbilligen schatzungen hoch beladen, beschwert und bedrängt. derhalben weil sie sonst keiner hülf oder trosten gewärtig, verbanden sich nach deren von Worms, Mainz und Oppenheim exempel fast in die 60 städt am Rhein gelegen, daß ie eine der andern in nöthen beistand thuen sollte, als Wesel, Neus, Ach, Cöln, Bonn, Boppard, Wetzlar, Speier, Straßburg, Basel, Schlettstalt, Zürch, Freiburg, Breisach, Weißenburg, Neustatt, Wimpfen, Heidelberg, Lützelberg, Frankfurt, Friedberg, Seligenstadt, Bingen, Lautersburg, Mühlhausen, Gelhausen.

zu dieser städt bund schlug sich pfalzgraf Ludwig, welches schwester mit namen Elisabetha könig Conrad zum gemahl gehabt, stellt seine kriegsrüstung neben sie, die thaten dann zusammen und stellten alle zöll ab, so auf dem Rhein bei den städten aufgehoben wurden, wiewohl sie von wegen der krieg viel schuldig, rißen die raubschlößer ein, schleiften sie, vertrieben die mörder und straßenräuber zum land hinaus."

Dies geschah auch mit der Bolanderburg in "Ingelheim".

 

Gs, erstmals: 20.03.06; Stand: 03.028.17